Der kleine Unterschied

Frühmorgens ist die Welt noch in Ordnung.

Ich nehme mir vor, heute nur Gesundes zu essen.

Die Lust auf einen wunderbaren frischen und knackigen Salat ist groß.

Ich stelle mir eine riesige Schüssel bunten Salat mit Kopfsalat, Tomaten (die gerade so herrlich schmecken), Gurken, Radieschen, Paprika, Fenchel und ein paar Parmesanspänen vor. Frische Kräuter sollten auch nicht fehlen. Dazu noch mein gutes Olivenöl und ein paar Tropfen Himbeeressig– und schon ist Köstlichkeit fertig.

 

Doch dann erreicht mich ein Anruf und schon während des Gesprächs mache ich mir ein Honigbrot. Wenig später folgt eins mit Leberwurst.

Dieses Gespräch wühlt mich auf und verhunzt mir den ganzen Tag.

Meine Lust auf Salat zerplatzt wie eine Seifenblase und wird ersetzt durch Hunger auf alles Mögliche.

Anstatt meine Wut zu akzeptieren und dem Gefühl Raum zu geben, esse ich und decke es mit Essen zu. Ein Verhalten, das mein Funktionieren für den Rest des Tages garantiert.

Es garantiert, dass ich mich nicht in die Ecke setze und das tue, was ich jetzt viel lieber tun würde, statt mal wieder stark zu sein: Weinen.

Ich funktioniere weiter als Mutter, Hausfrau, Berufstätige, Ehefrau, Freundin …

Dieses Verhalten garantiert mir aber nicht nur das weitere Funktionieren, sondern auch den nächsten Hüftring.

 

Kommt Euch diese Situation bekannt vor?

 

Esst Ihr auch, wenn Ihr gefrustet oder wütend seid?

Oder wenn Ihr euch für einen langen Tag belohnen wollt?

Treibt Euch Einsamkeit genauso vor den Kühlschrank oder an die Schublade mit der Schokolade, wie der Wunsch Euch etwas Gutes zu tun?

 

Dann seid Ihr vielleicht genauso wie ich ein emotionaler Esser, der erst wieder lernen muss richtigen Hunger von emotionalem zu unterscheiden.

Das alleine reicht aber auch noch nicht.

Ich muss auch lernen mit meinen Gefühlen anders umzugehen.

Essen sollte nicht mehr der Füllstoff für das Loch in meinem Herzen sein.

Wut muss Wut sein dürfen und Einsamkeit muss schmerzen dürfen.

Belohnung muss anders aussehen als bisher.

Denn: Emotionaler Hunger kann nicht mit Essen gestillt werden.

Es mag zwar sein, dass mir das Essen für den Moment gut tut, aber das Gefühl hat sich dadurch nicht verändert. Es bleibt, will gefühlt und beachtet zu werden.

Beachte ich es nicht, gerate ich in genau die Teufelsspirale, in der ich jetzt stecke:

Es braucht immer wieder Essen, um ein und dasselbe Gefühl zu zudecken.

 

Inzwischen weiß ich, dass mir das Wissen darum eine emotionale Esserin zu sein nicht reicht, um dieses Verhalten abstellen zu können.

 

Es hilft mir auch nicht bei Langeweile ein Buch zu lesen statt zu essen oder mich nach einem langen anstrengenden Tag mit einem Bad statt mit einem Eis zu belohnen, weil auch diese Dinge vom wirklichen Problem ablenken.

All das habe ich schon versucht, aber es hilft nicht weiter.

Ich muss mich den Dingen stellen.

 

Aber die Erkenntnis um diese Mechanismen ist der erste wichtig Schritt hinaus aus meinem falschen Essverhalten.

Hinter diesen Punkt kann ich schon mal ein Häkchen setzen. Geschafft!!!

 

Der zweite Schritt ist den Unterschied zwischen emotionalem Hunger und richtigem Hunger zu erkennen:

 

Emotionaler Hunger

  • ist bei mir oft ganz plötzlich da und will sofort gestillt werden. Richtiger Hunger hingegen beginnt leise und ich kann ihn gut aushalten ohne ihn zu stillen.
  • sitzt bei mir oft im Hals oder oberhalb des Bauches, während körperlicher im Magen sitzt. Es ist ein Verlangen, dass sich im Kopf festbeißt.
  • verlangt oft nach einem besonderen Essen, das meist fettig und schokoladig oder sahnig sein sollte.
  • entspricht oft erlerntem Essensverhalten aus der Kindheit. Trost wurde oft mit Essen gespendet oder gute Noten mit Eis belohnt.
  • möchte eine manchmal vorhandene Leere in mir füllen.
  • hinterlässt immer ein schlechtes Gewissen, wenn er gestillt wird.

Inzwischen erkenne ich den Unterschied IMMER.

Allein dies hilft mir oft, nicht zum Keks oder zum Wurstbrot zu greifen.

Es gelingt nicht immer. Aber oft

... und die 10 kg Marke ist mit Hilfe dieser Erkenntnis längst geknackt.

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Kommentare: 2
  • #1

    Der Wagrier (Samstag, 19 August 2017 21:45)

    Ohja, und wie ich das kenne. Nach nunmehr einigen Jahrzehnten und unzähligen Versuchen habe ich es doch weitestgehend im Griff. Es klappt eigtl. jetzt sehr gut, und da bin ich schon sehr sehr froh drüber.

    Ein schönes Restwochenende noch :-)

  • #2

    Klaudia (Sonntag, 20 August 2017)

    Super! Drücke Dir die Daumen, dass es weiterhin gut klappt!
    Danke, Dir auch noch einen schönen Abend!