Pfunderbare Gäste: Idgie von TOWANDA! Leben und verändern

Ich freue mich sehr, heute Idgie von „TOWANDA! –leben und verändern“ auf meinem Blog begrüßen zu dürfen.

In ihrem Gastartikel berichtet sie über ihren Weg in ein schlankeres Leben.

 

Dir, liebe Idgie, ganz herzlichen und lieben Dank für Deine Mühe und diesen wunderbaren Artikel.

 

Allen Lesern viel Spaß damit!


Als die Klaudia mich fragte, ob ich einen Gastbeitrag über meine Motivation schreiben möchte, fühlte ich mich sehr geehrt. Vielen Dank, liebe Klaudia!

 

Nachdem ich eine Weile darüber nachgedacht habe, was einen Menschen alles motivieren kann, muss ich erkennen, um was für ein flexibles Feld es sich bei der Motivation handelt, das zusätzlich mit einer Menge Stolperlöcher ausgestattet ist.

Die kurzfristige Motivation ist einfacher zu erhalten. Ist das Ziel nicht zu weit entfernt ist, fällt es leichter, am Ball zu bleiben. Nimmt man sich aber vor, 60 bis 70 Kilo Gewicht abzunehmen, ist das schon eine andere Hausnummer. Motivation über mehrere Jahre aufrecht zu erhalten ist schwierig und benötigt immer wieder erneute Ansätze.

Zusätzlich spielt das Alter der Betroffenen eine große Rolle; Ziele und Durchhaltevermögen, Energie und Kraft variieren da häufig. So war es auch bei mir. Ich möchte euch ein wenig über die unterschiedlichen Motivatoren meiner vergangenen und gegenwärtigen Abnehm-Aktionen erzählen.

 

 

Druck in der Kindheit

 

Ich kam als Wonneproppen zur Welt, wuchs schnell zum pummeligen Kind und dicken Teenager heran. Immer wieder bekam ich zu hören, ich sei zu dick, ich müsse abnehmen – vornehmlich von meiner Mutter, aber auch von Ärzten. Doch in dem Alter besaß ich null Motivation. Das leckere Essen war mir wichtiger, als irgendwelches gesundheitliches Gelaber. Lediglich Druck funktionierte. Als ein Arzt mich zu einer Diätkur wegschicken wollte, konnte ich plötzlich abnehmen. Wie genau, daran erinnere ich mich nicht mehr, ich denke, das hatte damals allein meine Mutter im Griff.

Die Gewichtsreduktion war nicht von Dauer, ich nahm wieder zu und wurde noch dicker, als zuvor. So lief es übrigens jedes Mal ab, mein Leben lang. Ich nahm ab, hielt einige Zeit mein Gewicht, ließ mich wieder gehen und wog am Ende rund 10 Kilo mehr. Ein vernünftiges, gesundes Essverhalten hat sich bei mir nie gefestigt, lediglich über den Verstand kann ich mich kontrollieren. Und oftmals wird der von dem unterbewussten Automatismus, den bequemsten Weg zu wählen, boykottiert.

 

 

Wettstreit in jungen Jahren

 

Was motivierte mich bei meiner zweiten großen Abnehm-Aktion? Es war der Wettstreit zwischen einer Freundin und mir, also wieder ein gewisser Druck von außen, wenn auch dieses Mal von mir mit initiiert. Wer nimmt am schnellsten und am meisten ab? Von einer Kollegin bekam ich große Unterstützung, sie schleifte mich zwei Mal wöchentlich zum Sport. Schwimmen und Jazzdance waren angesagt. Es hat mir sogar Spaß gemacht, aber alleine wäre ich niemals losgezogen. So ist es noch heute …

Damals, so Anfang Zwanzig, habe ich viel abgenommen (ich glaube, ca. 20 Kilo). Wer letztlich den Wettstreit gewonnen hat, weiß ich nicht mehr, denn am Ende belohnte mich das Leben mit dem Kennenlernen meines Mannes, und damit verlor alles andere an Wichtigkeit. Leider auch das gesündere bzw. reduzierte Essen und der Sport. Ich war glücklich und zufrieden. Wir zogen gemeinsam in eine andere Stadt, wo ich niemanden kannte, der mich wöchentlich in den Hintern trat, und ich nahm peu à peu wieder zu.

 

 

Unwohlsein in der Lebensmitte

 

Anfang Dreißig war es erneut soweit: Ich wollte abnehmen. Inzwischen hatte ich mir über 100 Kilo angefuttert. Meine Diätversuche scheiterten, also suchte ich in einem Forum eine Mitstreiterin aus der Gegend. Ich fand sie – noch heute sind wir gute Freundinnen – doch als wir unseren Abnehmplan umsetzen wollten, wurde ich schwanger, und mein Arzt riet mir von einer Diät ab. Ich ernährte mich „nur“ gesünder als zuvor, mein Ungeborenes war die Motivation dafür, denn ich wollte ihm auf gar keinen Fall schaden. So nahm ich wenigstens nicht zu und wog nach der Geburt genau 100 Kilo. Die Babystress-Prophezeiung, mit der ich weiter abzunehmen hoffte, erfüllte sich bei mir leider nicht – gut für die Nerven doch schlecht für die Figur. Ihr kennt das Ende vom Lied.

Einige Jahre später überzeugte mich besagte Freundin, sie zu Weight Watchers zu begleiten. Die Gruppe, das beinahe öffentliche Wiegen, das Überprüfen meines Ernährungstagebuchs und auch die Gemeinsamkeit mit meiner Freundin motivierten mich, über ein Jahr durchzuhalten. Dann … ja, ihr ahnt es schon. Es kam wie immer: Ich hörte auf, ich nahm mir vor, das Programm weiter durchzuziehen, alte Gewohnheiten schlichen sich ein, und das war’s. Dabei hatte ich so toll abgenommen und viel Lob von Anderen bekommen. Heute glaube ich, dass Lob von außen zwar guttut, aber kontraproduktiv ist. Es weckt den Faulpelz in einem und lässt die Motivation einschlafen.

 

 

Gesundheit und körperlicher Verfall

 

Vor einigen Jahren begannen meine Knie zu schmerzen. Ich versuchte es rund ein Jahr lang zu ignorieren, doch es wurde schlimmer. Also beschloss ich, meiner Gesundheit zu liebe müsste ich jetzt unbedingt abnehmen. Und zwar dauerhaft. Um das auch durchzuhalten, entschied ich mich, zu bloggen. Zunächst aus der Anonymität heraus, denn so ganz traute ich mich nicht in die Öffentlichkeit. Inzwischen habe ich so viel Selbstbewusstsein aufgebaut, dass ich nicht nur zu den Höhen sondern auch zu den Tiefen meines Abnehmens stehe. Und davon gibt es einige. Vor kurzem noch befand ich mich in genau so einem Tal und suchte nach der Motivation, herauszukommen. Am Ziel bin ich schließlich noch lange nicht.

Im ersten Blogger-Abnehm-Jahr lief es wunderbar. Mich gesund zu ernähren, meinem Körper Gutes zu tun, hielt mich auf Kurs, und so nahm ich 19 Kilo ab. Im Folgejahr (2016) begann alles zu schwächeln und tut es bis heute.

Ich habe viel über Motivation und Abnehmen gelesen und auch darüber geschrieben, doch die Umsetzung benötigt noch immer ganz andere Dimensionen, als die Erkenntnis. Im Moment setze ich vermehrt auf Sport und Bewegung, versuche mich regelmäßig aufzuraffen. Ehrlich gesagt bräuchte ich wieder einen gleichgesinnten Menschen in der Nähe, jemanden, der mich mitzieht, so wie damals meine Kollegin, die ich ja täglich getroffen habe, die mich sogar tagsüber ermahnte, wenn ich mir ungesundes Zeug aus der Kantine zu holen drohte. Heute verstehe ich mich zwar auch mit einigen Kollegen richtig gut, doch wir haben unterschiedliche Arbeitszeiten, weite Heimwege in unterschiedliche Richtungen und andere Verpflichtungen, die ein regelmäßiges, gemeinsames Aktivsein behindern. Dazu kommt, dass wir zu höflich miteinander umgehen. Da wird genascht, und der andere sagt: Du darfst dir doch auch mal was erlauben. Hast doch schon so viel geschafft. Eine Ausnahme/Belohnung muss drin sein. Und so weiter und so fort.

Aktuell motiviere ich mich mit täglichem Bloggen. Obwohl nur ungefähr die Hälfte meiner sonstigen Leser diese Tagebuch-Einträge aufrufen, so ist es doch öffentlich, und für mich steckt ein gewisser Druck dahinter. Seit zirka zwei Wochen funktioniert es richtig gut.

Ich habe immer wieder, gerade nachmittags, Appetit auf Süßes oder eine andere Leckerei. Ich ertappe mich täglich bei dem Gedanken, den Sport doch sausen zu lassen, muss mich überwinden, aufraffen. In solchen Momenten mache ich mir bewusst, wie ungern ich über diese mangelnde Disziplin berichten möchte. Außerdem will ich es wirklich schaffen, mein Zwischenziel zu erreichen. Dazu noch ein recht hochgestecktes: 9 Kilo in 5 ½ Wochen. Gut 3 sind runter, und ich bin zuversichtlich, es schaffen zu können. Selbst wenn ich das Ziel knapp verfehle: Gelohnt hat sich meine Restart-Aktion auch dann, denn es fühlt sich gut an, wieder dabei zu sein. Erneut im Fluss zu schwimmen, statt sich im Morast zu verirren.

 

 

Welche Grundmotivationen benötige ich?

 

Zum Einstieg: die feste Überzeugung, mich ändern zu wollen, plus einen Plan, wie ich es angehe. (In meinem Fall: ausgewogene gesunde Ernährung; dabei nicht mehr Kalorien zu mir nehmen, als ich verbrauche; regelmäßige Bewegungseinheiten. Mein Leben dauerhaft so gestalten und beibehalten.)

Zum Durchhalten: gleichgesinnte Menschen zur gegenseitigen Unterstützung und Austausch; Wettstreite funktionieren bei mir nicht mehr, da ich kein Bedürfnis mehr habe, unbedingt besser sein zu wollen und mich unter Konkurrenzdruck eher unwohl fühle. Der Druck muss in mir entstehen, ich muss ihn auf mich ausüben. Dabei hilft mir die Öffentlichkeit, allerdings noch immer aus dem Versteck (vor meinem Monitor) heraus.

An äußeren Hilfsmitteln: Besonders meine Fitnessuhr spornt mich an, mein anvisiertes tägliches Schrittpensum zu erreichen. Bis zum Jahresende möchte ich bei 10000 sein. Mein Hund hilft mir dabei, denn er muss ja raus, und mit ihm gehe ich einfach gerne. Ich liebe es, draußen den Klängen der Natur zu lauschen und die Gerüche wahrzunehmen. Auch Fotografieren hilft mir, mich mehr zu bewegen. Ich versuche immer wieder, die Schönheit der Natur festzuhalten.

 

Motivation ist für jeden etwas anderes. Mein Mann zum Beispiel wird durch Menschen motiviert, die ihm etwas nicht zutrauen; ganz nach dem Motto: Denen werd‘ ich’s zeigen. Mein Sohn benötigt Zuspruch und Druck, das Bewusstsein, ihm traut man etwas zu.

Sich allein und selbst zu motivieren ist das Schwierigste. Für mich sind Zielsetzungen und Visualisierungen wichtig, dazu das Zerlegen des langen Weges in überschaubare Teilabschnitte und Zwischenziele. Es soll ja auch helfen, sich mit erfolgreichen Menschen zu umgeben, die die eigenen Ziele schon erreicht haben. Das ist leichter gesagt als getan. Durch das Bloggen klappt es einigermaßen, und doch ist da jeder für sich allein. Man kennt sich nicht wirklich.

Sehr inspirierend fand ich vor einigen Jahren das Buch „Es geht auch ohne Diät“ von Susan Powter, einer Frau, die durch fettarme Ernährung und Sport sehr viel Gewicht verloren hat. Ihre Videos sind klasse, weil auch dicke Menschen problemlos mithalten können und etwas für ihre Fitness tun, jeder auf seinem Level. Susan hat ihr Leben dauerhaft verändert, genau mein Ziel. Es ist verdammt anstrengend, sich nach ein bis zwei erfolgreichen Jahren weiter zu motivieren. Das Schreiben dieses Beitrags hilft mir gerade sehr; durch die Reflexion meiner Abnehm-Vergangenheit wird mir wieder bewusst, dass ich Prioritäten setzen muss. Meine Gesundheit muss an erster Stelle stehen, denn nur so kann ich meine anderen Interessen auch in Zukunft noch verfolgen. Das fortschreitende Alter und den Abbau des Körpers, den nur ICH allein, durch gute Ernährung und ausreichende Bewegung, verlangsamen kann, darf ich niemals aus dem Blick verlieren. Aktuell habe ich vermehrt Bilder aufgehängt, aus erfolgreichen früheren Tagen und auch von einem Simulator, der mir wunderbar veranschaulicht, wie ich jetzt und mit weiteren 30 Kilo weniger aussehen werde. Neulich las ich, dass selbst Senioren durch einen gesunden Lebenswandel (mit viel Bewegung) noch einen Fitnesszustand erreichen können, wie ein untrainierter junger Mensch.

Es ist also nie zu spät.

Alles ist möglich, wir müssen es nur wirklich wollen und uns permanent daran erinnern. Jetzt in diesem Moment beginnt der Rest unseres Lebens! Towanda!

 

Eure Idgie

 

Damit ihr euch ein wenig vorstellen könnt, wer hier schreibt: Ich bin die Ines vom Blog „TOWANDA – leben und verändern“, wo ich als Idgie schreibe, meinem Pseudonym aus der Anfangszeit, als ich mich noch nicht in die Öffentlichkeit wagte. Und weil Idgie (aus dem Film „Grüne Tomaten“) und Towanda einfach zusammengehören, und sie mit ihrem Lebensmut und ihrer Authentizität mich immer wieder motiviert, ICH zu sein, habe ich den Namen beibehalten. Ich kämpfe nun seit beinahe 52 Jahren mit meinem Übergewicht und habe beschlossen, diesmal wird es eine dauerhafte Umstellung sein, mit dem Ziel, einen möglichst gesunden Körper zu bekommen und zu erhalten. Ich startete 2015 mit 133 kg, nahm im ersten Jahr sehr gut ab, im letzten halben Jahr allerdings wieder etwas zu. Meine Motivation stieg und sank immer wieder und tut es auch heute noch. Aktuell bin ich bei 106 kg. Mein Endziel liegt bei um die 60 kg. Ich möchte mich praktisch halbieren.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0