Tango oder Flamenco?

Mein Coach stellte mir vor kurzem die Aufgabe noch mehr in Bewegung zu kommen – sowohl körperlich wie auch sozial.

Da standen zunächst einmal sämtliche Vereine oder Clubs hier in der niedersächsischen Provinz zur Auswahl.

Es wäre ja am einfachsten hier einem Verein beizutreten, Sport zu machen und – schwupps - wäre meine Mission erfüllt.

Aber ehrlich gesagt, würde mich so was ganz und gar nicht erfüllen.

Ich habe keine Lust mehr, mich ein auf dörfliches Vereinsleben einzulassen. Das habe ich schon mal versucht und es ist heftigst in die Hose gegangen. Das brauche ich nicht nochmal.

 

Leider bin ich auch kein Typ für Fitness-Studios – drei Mal ausprobiert und drei Mal fast ein ganzes Jahr umsonst bezahlt.

 

All das, was so nahe liegt, fällt also aus.

 

Nachdem ich lange hin und her überlegt hatte, fiel mir zumindest irgendetwas ein, was mein soziales Umfeld erweitern würde. Mit großer Begeisterung war ich aber auch hier nicht dabei.

 

 

Sollte es denn wirklich so schwierig sein etwas zu finden, das mir wirklich gefallen würde?

 

Dann sah ich einen Bericht über einen 61jährigen Herrn, der mit 60 begonnen hatte Tango zu tanzen … und der Balken vor meinem Hirn löste sich augenblicklich in Luft auf.

 

Natürlich tanzen!

 

Ich hatte doch schon vor einigen Monaten daran gedacht. Aber dann war es wieder in Vergessenheit geraten.

 

Tanzen - das hatte ich viele Jahre meines Lebens nicht nur gelernt, sondern auch unterrichtet.

Und ich habe es immer geliebt.

Jazz- und Ausdruckstanz, Steppen, Modern, Contemporary… etcpp.

 

Warum also nicht tanzen?

 

Und warum nicht Tango? Oder sogar Flamenco – beides Herzenswünsche von mir.

 

Tango oder Flamenco – das ist hier also nun die große Frage.

Oder etwa nicht?

Sollte ich etwa beides gleichzeitig machen?

 

Leider wohne ich so weit von den nächsten Tango- bzw. Flamenco-Schulen in Hannover entfernt, dass ich mehr als eine Stunde brauche, um sie zu erreichen.

Aber es soll ja nicht die erst beste Schule sein, sondern eine, die auch zu mir passt.

 

Neben diesen zeittechnischen Aspekten spielen natürlich auch die finanziellen eine Rolle.

Ganz billig ist das Ganze nämlich nicht.

So werde ich mich wohl für einen Tanz entscheiden müssen.

 

Also: was soll es sein? Tango?

Soll es dieser Tanz sein, bei dem kein Tanz dem anderen ähnelt, weil jeder Tanz so individuell ist wie seine Tänzer. Tango ist immer ein Gespräch. Es ist Hingabe und Führen. Aufeinander einlassen.

 

Oder doch besser der Flamenco, den der Schriftsteller Tomás Borrás so beschreibt: „Flamenco sein heißt, einen anderen Körper haben, eine andere Seele, andere Leidenschaften, eine andere Haut, heißt, erfüllt sein von Instinkt und Begehren. Flamenco sein heißt, eine andere Weltsicht, ein anderes Lebensgefühl haben, sich des Schicksals bewusst sein, die Musik in den Nerven spüren, stolz auf seine Unabhängigkeit sein, sich über seine Tränen freuen; es heißt Schmerz und Liebe und ein Leben voller Schatten. Flamenco sein heißt, die Beschneidung durch Routine und Planung hassen. Und schließlich heißt Flamenco sein, sich am Gesang, am Wein und am Küssen berauschen.“

 

Beide Tänze könnten mich begeistern.

Beide reizen mich sehr.

 

Aber für den Tango habe ich keinen Partner, weshalb ich mich schon für den Flamenco entschieden hatte … bis ich mich an die Musik erinnerte, die mir nicht wirklich immer liegt.

 

Ihr seht: Ich bin noch unentschlossen und werde deshalb in Anfängerkurse beider Tänze reinschnuppern. Aber egal welcher Tanz es werden wird – ich freue mich auf neue Erfahrungen, neue Beweglichkeit, neue Menschen.

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