1. Pfund der Woche

Es gibt in letzter Zeit viele Wochenpfunde, die eine besondere Auszeichnung als der Aufreger, Breathtaker oder als das Highlight der Woche verdient hätten. Der momentane politische Führer der USA scheint sich fast täglich um eine Nominierung zu bewerben, wird es aber - zumindest zunächst einmal – nicht aufs Treppchen schaffen. Das TRUMPel der Woche geht nicht an ihn.

 

Das erste Pfund der Woche geht an die zurzeit wieder einmal im Fernsehen laufende Almased-Werbung, die Ihr wahrscheinlich alle kennt:

 

Ein großes, teures Auto hält vor einer Häuserreihe irgendwo in den USA oder in GB.

Zunächst steigt nur ein einziges ungeheuer gut geformtes Bein aus, an dessen unteren Ende ein Schuh prunkt, der Highheel-Fans aufkreischen lässt.

Der Rest folgt, scheint aber unwichtig zu sein, denn die Kamera schwenkt auf einen unförmigen, faltigen und dicken Hund. Das arme Vieh kommt mit seinen kurzen Beinchen und vielen Falten kaum aus dem Auto raus und später noch weniger die Treppe hinauf, die die Dame, deren Beine wir bis dahin wieder einmal bewundern durften, hinauf schreitet.

Sie klingelt.

In der nicht ganz geöffneten Tür steht sodann ein fescher Herr (nein, nicht mein Typ), mit obligatorischem Drei-Tagebart und locker geöffnetem Hemd.

„Hi“, haucht sie – die Dame mit den hübschen Beinen und öffnet ihren Mantel.

„Wow“, staunt er und begutachtet, den gelben Bikini, den wir alle kennen.

 

Das ist ganz offensichtlich das Sesam-Öffne-Dich, der Zauber, den es braucht, um die Tür hinter der sich der Herr im teuren Anzug zunächst noch versteckt, zu öffnen.

 

Spätestens wenn die Hübsche ihren Mantel öffnet, der Maskuline seine Augen verdreht und gerne das tun würde, was der Mops im Spot nicht tut, nämlich sabbern, verspreche ich mir und meinem Selbstwertgefühl als Frau NIEMALS Almased zu kaufen.

 

Firmen, die es nötig haben auf solch sexistische Werbespots zurückzugreifen, um ihre Produkte zu vermarkten, verdienen es nicht, dass ich eben jene Produkte kaufe.

Diese klischeehafte Darstellung von Männern und Frauen ist armselig und diskriminierend.

 

Nicht nur in dieser Werbung wird der weibliche Körper als ein allzeit verfügbares Objekt und Männer als dauergeil und dominant dargestellt.

 

Aber das ist nicht alles, was mich an dem Spot ärgert.

Ich frage mich wie die arme Bulldogge – oder ist es ein Mops - zu interpretieren ist.

 

Ist das die Metapher für das ehemalige Aussehen der prallen Dame, die so bereitwillig im Winter im Bikini unterwegs ist und jeden Abend vor der Tagesschau darauf hofft, dass Mann sie ins Haus lässt?

 

Sehen wir Dicke also so aus?

Steigen wir faltig, mit verbissener Miene und zu kurzen Beinen Treppen hinauf oder rennen hechelnd mit heraushängender Zunge über Strände?

 

Ich zumindest bin nicht so blöd im Winter bei Schnee im Bikini an irgendwelchen Haustüren zu klingeln. Mein Liebster würde mich wahrscheinlich in die nächstgelegene Anstalt einweisen, um meinen Geisteszustand zu überprüfen.

Und würde er mich auch nur ein einziges Mal so abschätzend ansehen, wäre ihm eine Klatsche sicher.

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Kommentare: 2
  • #1

    Klaus-Peter (Freitag, 27 Januar 2017 23:58)

    Es mag ja sinnvoll sein, auf den Zynismus in dieser Werbung hinzuweisen, den Sexismus, der hier auch "dem Mann" eine kaum erreichbare Rolle zuweisen will.
    Was da unterschwelllig angesprochen wird - "von Möpsen und Maskottchen" - hat dann viel mit der Phantasie der Werbenden, etwas mit unseren unbewussten Vorstellungen zutun, aber nichts mit gesunder Ernährung.

    Was das betrifft, bin ich stur: Es ist möglich, sich "xund" zu ernähren, die ungesunde Ernährung, die ich gar nicht großartig branntmarken will, zu umgehen.
    Insofern muss auch niemand auf die Pülverchen-Ersatzmahlzeiten zurückgreifen, Besseres gibt es allemal. Ein paar "Super-Rezepte-zum-Abnehmen" hätte ichz auch im Angebot ;-)

    Da mag die Ideal-Lady im gelben, im schwarzen, im geblümten Bikini auftreten, so lange sie will: Wer die Geschichtge dahinter hinterfragt, wird das Produkt, mit dem sie groß geworden ist, überflüssig finden.

  • #2

    Klaudia (Montag, 30 Januar 2017 05:26)

    Hallo Klaus-Peter,
    mir war es wichtig, über das ungesunde Produkt hinaus die noch ungesünderen Botschaften der Werbung zu benennen.

    Schöne Woche!