Walken im Winterwunderland

Gestern bereite der Winter uns ein großes kristallweißes Fest.

Es glitzerte weit und breit.

Bäume und Sträucher hatten sich Mäntel umgelegt, die wie Juwelen in allen Farben in der Sonne glänzten. Oben drüber prangte der Himmel und präsentierte sein strahlendstes Blau.

All das lockte mich raus. Ich fühlte mich eingeladen, das zu genießen, was mir von der kalten Jahreszeit geboten wurde.

 

Während meine Hündin Choco schon ungeduldig auf mich wartete und mich immer wieder anstubste, kämpfte ich noch meinen ewigen Kampf mit den Socken.

Immer noch das alte Lied, das doch eigentlich längst nicht mehr zu meinem Repertoire gehören sollte. Aber mit immer noch zu vielen Pfunden nicht nur auf den Rippen, sondern auch anderswo, kämpfe ich diesen Kampf weiterhin.

Irgendwann war es geschafft - die Socken saßen mehr schlecht als recht an den Füßen - und es konnte losgehen.

 

Leider waren alle Wege und Pfade so vereist, dass ich nicht walken konnte und nur durch die Gegend schlitterte.

Während Choco hin und her rannte und sich nicht im geringsten am Eis oder Schnee störte, richtete sich meine Konzentration nach unten, um nicht auf die Nase zu fallen. Ich versuchte besonders gefährlich aussehenden Stellen auszuweichen und Wege zu finden, die keine gebrochenen Knochen verhießen.

So nahm ich leider all das Glitzern um mich herum kaum wahr, weil ich mich wie ein Fährtenleser voran arbeitete.

Nur, wenn ich zum Verschnaufen stehen blieb, konnte ich dieses wunderbare Schauspiel, das die Natur mir bot, genießen.

 

30 Minuten bahnte ich mir so den Weg durch die Winterwelt.

Viel zu oft musste ich stehen bleiben, weil ich völlig aus der Puste war oder das Gefühl hatte, dass mir der Rücken garantiert in der nächsten Sekunde durchbrechen würde.

 

Verschwitzt, außer Atem und mit einem etwas aus dem Rhythmus geratenen Herzen landete ich aber dennoch wieder zu Hause.

 

Über diese 30 Minuten hätte ich vor gar nicht allzu langer Zeit gelacht.

Gestern fehlte mir die Luft fürs Lachen.

 

Ich kann kaum glauben, dass mir das passiert.

Es waren doch nur 30 Minuten!

 

Obwohl der Himmel heute sein strahlendes Blau gegen ein dumpfes Grau eingetauscht hat, machten Choco und ich uns heute wieder auf den Weg.

 

Und siehe da: Es ging schon viel leichter und ich erweiterte unsere Runde.

 

Heute verhedderten sich die Beine meines „Schneetigers“ immer wieder, so dass sie sich rutschend und schlitternd ihren Weg bahnte. Sie machte dabei eine so komische Figur, dass ich laut lachend weiter stapfte. Heute war genügend Luft zum Lachen da!

 

Und tatsächlich wäre ich am Ende unserer Runde gerne noch etwas länger draußen geblieben.

Aber ich habe inzwischen kapiert, dass mir ein Zuviel auf einmal nicht gut tut.

 

Also werde ich mich gedulden und morgen wieder ein paar Minuten länger walken.

Irgendwann werde ich dann hoffentlich wieder halbwegs so fit sein, wie ich es mal war.

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