Horror - Shopping - Tour

Da heißt es, dass man sich beim und mit dem Abnehmen möglichst wenig Stress machen soll… und was mache ich? Ich gehe stürze mich geradezu hinein. Absichtlich. Ich geh shoppen …

Obwohl ich weiß, dass mir Klamotten in meiner Größe nicht gefallen.

Irgendetwas muss ich ja schließlich anziehen.

 

Ich benötige etwas für einen speziellen Event.

Also: Packen wir es an!

Auf nach Hannover!

 

Im ersten Geschäft werden mein Mann und ich schon fündig.

Jede Menge tolle Klamotten. Sportlich, elegant.

Ein bisschen ausgefallen und nicht so ganz Mainstream.

Super! Das will ich. Das bin ich.

 

„Größe 46? 48? Nein, hier in der Abteilung geht es nur bis Größe 44“, lächelt mich die Verkäuferin entschuldigend an.

Enttäuscht ziehen wir von dannen.

 

Aber es ist ja noch nicht aller Freitage Abend.

Sehen wir uns mal an, was es sonst noch so gibt.

Ergebnis nach unserer eingehenden Untersuchung und Sichtung des vorhandenen Materials:

Alles, was mir wirklich gefällt, hört bei Größe 44 auf.

 

Ich probiere diverse Blusen mit vielen verschiedenen lustigen Knöpfen und Biesen. 

Mir fällt der Unterkiefer runter, wenn ich mich darin sehe.

Da hört der Spaß wirklich auf.

 

Aber mir fällt der Unterkiefer sowieso immer runter, wenn ich mich im Spiegel sehe.

Ich hasse dieses Ungetüm von Bauch, das ich vor mir herschiebe und das mich aussehen lässt wie eine Tonne.

 

Nachdem wir diverse Geschäfte nach Klamotten durchstöbert haben, die mich nach mir selbst aussehen lassen und mich nicht verkleiden, stärken wir uns erst einmal mit einem Kaffee.

„Jetzt verstehe ich endlich, warum Du immer denselben Kram trägst. Es gibt nix in Deiner Größe. Da würde ich ja echt abnehmen bis ich in Klamotten passen würde, die mir gefallen.“ , sagt mein Mann.

„Ach tatsächlich?!“, brumme ich entnervt zurück und verschlucke den Rest meiner Gedanken, um des lieben Friedens willen.

 

Je öfter ich mich in Spiegeln sehe desto mehr sinkt meine Laune.

Mein Mann diskutiert mit Verkäuferinnen warum es die Mode, die es in 44 gibt nicht auch für mich gibt. Warum soll ich Rüschen oder Sack tragen? Warum nichts Schickes, wie die 44er Dame?

Er fragt, warum ich mich in solchen Klamotten, wie denen, die es für mich gibt, verstecken sollte. Einheitsbrei.

„Bloß nicht zeigen, was man hat – oder was ist das Motto?“, fragt er.

Wir wissen es nicht.

Es ist mir auch egal.

Ich will nach 6 Stunden verzweifelten Suchens nach Blusen, Shirt etcpp. nur noch nach Hause.

 

Ich will mich nicht mehr sehen und ständig der Wahrheit ins Auge blicken müssen.

Für heute reicht es.

Ich hab´s kapiert: Die Dicke da im Spiegel bin ich.

 

Da mir nichts anderes übrig bleibt, kaufe ich Rüschen und lustige Knöpfe.

Das, in dem ich am wenigsten schlimm aussehe.

 

Ich weiß schon jetzt, dass ich mich an dem Abend, an dem ich das Ding trage, unwohl fühlen werde. Verkleidet. Vielleicht stell ich mir ja dann einfach vor, auf einer Karnevalssitzung zu sein. Kölle Alaaf!

Sich nicht nur wegen seines Umfanges unwohl zu fühlen, sondern auch noch wegen der Klamotten - genau das, was frau so braucht.

 

Fehlen noch die Schuhe.

Wenigstens hier bekomme ich das, was ich gerne trage.

Aber jetzt tragen mich meine Beine kaum noch.

Meine Stimmung liegt schon längst am Boden.

 

Also nichts wie nach Hause.

Weg von all den vielen Menschen und dem Gedränge in Geschäften.

Weg von allzu ehrlichen Spiegeln.

Hin zum Kamin. Beine hoch.

 

Heute, ein Tag nach dem Shoppen, nehme ich mir fest vor:

Ich kaufe nie wieder in dieser Größe ein.

Erst bei Größe 44 setze ich wieder einen Fuß in ein Modegeschäft und kaufe mir dann endlich wieder Kleidung, die mich nicht verkleidet.

 

Also: Packen wir´s an das Abnehmen!

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Kommentare: 2
  • #1

    Marc Winking (Montag, 14 November 2016 22:10)

    Ich kenn das - ich war in Münchens größtem Jeans-Haus. Über VIER Etagen geht der Schuppen und die Verkäuferin ist NICHT in der Lage, mir eine passende Jeans zu besorgen.

    Als sie zum 5. Mal sagt, "es ist halt wirklich schwierig, mit IHREN WEITEN SCHENKELN", bin ich kurz davor, sie zu würgen.

    Sie hat zum Glück noch ne Jeans gefunden, aber seitdem hab ich nen Horror vor dem Laden.

  • #2

    Klaudia (Dienstag, 15 November 2016 06:32)

    Hallo Marc,
    :-) Deinen Wunsch die Verkäuferin zu erwürgen und den Horror vor dem Laden, kann ich super gut verstehen!!!!

    Vier Etagen ... und nix für Dich - das ist schon heftig.
    Warum produziert die Bekleidungsindustrie an der Realität vorbei?

    LG

    Klaudia