Wut macht frei

Die Wut, die mir im Bauch sitzt, fühlt sich an wie ein schwerer Stein.

Sie füllt den ganzen Bauch aus.

Aber satt – das macht sie nicht.

 

Ich habe die ganze Woche über geschuftet und gerackert.

Habe dafür gesorgt, dass sowohl meine schon erwachsenen als auch meine fast erwachsenen Kinder Brote mit in Schule nehmen konnten. Habe das Haus aufgeräumt, bin mit dem Hund gegangen, habe Wäsche gewaschen und geputzt.

 

Bin durch die Tage gehetzt und habe doch noch nicht alles geschafft.

Der Garten wartet schon seit langem darauf gemacht zu werden, das eine Zimmer sieht aus wie eine Müllhalde und die Fenster sind von den Nasenstupsern unserer Hündin veschmiert …

 

Gestern Morgen gegen 10.00 Uhr, als alle anderen noch schliefen und ich schon schweißüberströmt durchs Haus putzte, überkam mich der Wochenendblues.

 

Als ich wieder das Haus aufräumte, der Hund wieder aufs Gassi-Gehen wartete, ich einkaufen musste, der Weg vor dem Haus wieder von Blättern befreit werden musste und das Mittagessen noch nicht auf dem Tisch stand, war es so weit.

 

Erst tat ich mir selber leid und dann wurde ich wütend.

Die Wut lag wie ein schwerer Stein in meinem Magen, der mich in einen tiefen, dunklen Brunnen zu ziehen drohte, wie es die Steine im Bauch des bösen Wolfes getan hatten.

Und: Sie machte hungrig. Nicht satt. Und das, obwohl sie mich doch so ausfüllte.

Oder gerade weil sie mich so ausfüllte und mir klar machte, dass ich mal wieder dabei war, mich selbst im Getriebe des Alltags zu verlieren.

 

Doch diesmal aß ich nicht wie früher so oft in solchen Situationen Schokolade, Butterbrote, Kuchen oder sonst was.

Ich fraß diese Wut nicht in mich hinein.

Ich zog die Notbremse.

 

Ich nahm mir am Nachmittag eine Auszeit und tat das, was mir gefiel.

Ich machte frei.

 

Das sparte mir viele Kalorien und noch mehr Frust, der immer anklopfte, wenn ich früher mit dem Frustessen fertig war.

Keine Chance für ein neuerliches und völlig überflüssiges Pfund, sich an mich zu heften oder sich festzuklammern.

 

Jetzt werde ich eine solche Auszeit fest in meinen Wochenplan installieren.

Ein Nachmittag nur für mich. Jede Woche.

Das sollte ich mir selbst wert sein.

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