Ein Witz!

Lachen ist die beste Medizin – das wussten wir schon vor Hirschhausen.

Viele unserer Fachärzte wissen das auch und beginnen mit ihrer Therapie schon beim ersten Telefonat.

 

Da sitze ich in meiner Not am Telefon und rufe den Arzt meines zukünftigen Vertrauens an und hoffe auf möglichst baldige Linderung meiner Probleme.

 

„Praxis Dr. Larifari und Kollegen. Sie sprechen mit Frau Empfang.“

„Frechen, guten Tag. Ich hätte gerne einen Termin …“

 

Nachdem wir erörtert haben warum ich einen Termin benötige, bittet die Dame vom Empfang um einen Moment Geduld.

 

„Den nächsten Termin kann ich ihnen Ende April 2017 anbieten.“

 

Ich breche am Telefon vor Lachen fast zusammen.

So ein guter Witz!

 

Da beginnen sie mit der Therapie schon am Telefon, denn Lachen ist ja die beste Medizin! Super!

Es ist Ende August Anno Domini 2016!

 

8 Monate Wartezeit.

 

„Aber Nein! Das ist kein Witz“, versichert mir die Dame am Telefon.

Das ist leider die traurige Wahrheit.

 

Noch trauriger wird es im weiteren Gesprächsverlauf.

„Haben sie Privatsprechstunden?“

„Ach, sie sind privat versichert?“

„Ja, sonst würde ich ja nicht fragen.“

„Moment, ich sehe mal nach…. „

Dann wird mir ein Termin 4 Wochen später angeboten.

 

Auch das in meiner Not eigentlich ein Unding.

Aber immerhin sind es keine 8 Monate mehr.

 

Gerecht ist dieses System nicht.

Das ist Zwei-Klassen-Medizin vom Feinsten und macht mich wütend ohne Ende – auch wenn ich das Glück hatte, diesmal auf der Sonnenseite des Systems zu stehen.

Es ist ungerecht, nicht sozial und… und … und …

 

Wer da behauptet, dass es das in Deutschland nicht gibt, ist schlicht ein Lügner.

Und ziemlich naiv, wer sich da wundert, dass die Notfall-Sprechstunden oder Ambulanzen der Krankenhäuser überquellen vor Patienten.

 

Aber auch auf der Sonnenseite des Systems gibt es mächtig viel Schatten.

 

Dr. Raffzahn soll mein Ohr behandeln und bietet mir gleich mal eine Begradigung meiner Nasenscheidewand mittels Laser-Op mit an.

Außerdem sind Schichtaufnahmen meiner Nebenhöhlen im Angebot, denn „Das muss man beobachten!“ Ach ja… und einen Allergietest und vieles andere MUSS man dringend nachschieben.

Die Drohung in den nächsten zwölf Monaten jede Woche zum Säubern des Ohres in die Praxis kommen zu müssen, lässt mich aufstöhnen.

Als er mir dann zwei Medikamente verschreibt, die ich nicht wirklich in mein Ohr träufeln möchte, nehme ich den Hut und suche mir nach einer vierwöchigen erfolglosen Behandlung einen anderen Arzt.

 

Der schaut sich mein Ohr an und weiß gleich, was zu tun ist.

Das passende Medikament und die ebenso passende Behandlung sind innerhalb von zwei Minuten- na sagen wir fünf - gefunden.

Abends höre ich auf dem Ohr wieder und 4 Tage später sind die Symptome auch fast verschwunden.

 

Wunder gibt es immer wieder!

Mein Ohr wird also endlich gesund und ich kann mich wieder dem Thema Abnehmen und Sport zu wenden.

 

Auf Wunder hoffe ich auch für unser Gesundheitssystem, damit solche Dinge, wie die, die ich erleben durfte, endlich der Geschichte angehören. Aber ich fürchte, da hoffe ich vergeblich.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Klaudia (Sonntag, 16 Oktober 2016 12:03)

    Nachtrag I:
    Mir ist bewusst, dass Ärzte nicht glücklich darüber sind, dass sie Patienten so lange vertrösten müssen. Sie arbeiten oft bis zum Umfallen. Aber auch sie sind nur Menschen, die nicht endlos belastbar sind und neben dem Job zwischenzeitlich mal ein wenig leben möchten.
    Also: Mehr Ärzte braucht das Land. Logisch!
    Aber dann müsste sich im System einiges ändern, damit der Beruf attraktiver wird.
    ICH würde in diesem System nicht arbeiten wollen!

    Nachtrag II:
    Ich jammere auf hohem Niveau.
    Woanders kann es noch schlimmer sein.
    Fünf Jahre NHS (National Health System) in GB haben mir das bewiesen.

  • #2

    Klaus-Peter Baumgardt (Sonntag, 16 Oktober 2016 21:38)

    Ich glaube nicht so ganz, dass man mehr Ärzte mit mehr Geld herbeilocken kann oder dass es an Anreizen mangelt - Verbesserungsbedarf im System besteht aber, wie überall die praktischen Beispiele von schlechter oder überflüssiger Behandlung zeigen. Andererseits dann wieder der Fachärztemangel...
    Mit einem Blick auf die Praxis der Prävention - wo diese "Fachleute" keinerlei Plan haben - kommt mir allerdings das kalte Grausen.
    Gut jedenfalls, dass Du noch eine "passende" Behandlung gefunden hast!

  • #3

    Klaudia (Sonntag, 16 Oktober 2016 21:59)

    Hallo Klaus-Peter,
    ja, ich denke, dass Du Recht hast. Mehr Geld kann es nicht richten.
    Ich glaube aber, dass es an Anreizen mangelt und das System der Verbesserung bedarf.
    Aber das hier detailliert zu diskutieren, würde zu weit führen. Man wüsste ja gar nicht wo beginnen und wo aufhören.

    Was die Prävention angeht, stimme ich Dir unbedingt zu!

    Ja, es wurde Zeit, dass es besser wird. So was schlaucht ganz schön.