Gar nicht so einfach!

Da sitze ich nun jeden Tag am Tisch, bevor ich zu essen beginne, und frage mich, ob ich Hunger habe.

Und wenn ja: Worauf?

Diese Frage zu beantworten, fällt mir schwer.

Viel zu lange habe ich Dinge gegessen, weil sie in irgendeinen Plan passten und nicht weil ich wirklich Hunger darauf hatte.

Gegessen wurde morgens, mittags, abends.

Ob ich dann auch wirklich Hunger hatte, stand nicht zur Debatte.

Es war an der Zeit.

Punkt.

 

Frühstückszeit.

Ich horche ich in mich hinein, spüre. Da regt sich nichts.

Also esse ich nichts, sondern trinke nur ganz in Ruhe meinen Kaffee. Genieße ihn und bin froh aus diesem morgendlichen Essritual ausgebrochen zu sein, das ich nie mochte. Ich esse so früh am Morgen nicht gerne etwas. Aber da das Frühstück ja so wichtig ist, den Stoffwechsel in Schwung bringt und ich mit den fünf stündigen Esspausen bis zum Mittag sonst nicht hinkam, aß ich ohne Hunger zu haben.

Geschmeckt habe ich von dem, was ich mir in den Mund schob, selten wirklich etwas.

 

In der letzten Woche gab es nur einen Tag, an dem der Hunger sich zu dieser Tageszeit meldete und ich frühstückte.

 

Mittagszeit.

Gegen 11.00 Uhr spüre ich Hunger.

Wo sitzt dieses Gefühl?

Ist es wirklich Hunger oder möchte ich meine Seele füttern?

Diesmal ist es wohl tatsächlich Hunger.

Sicher?

Nein, sicher bin ich mir nicht.

Ich muss erst lernen das eine vom anderen zu unterscheiden.

Dieses Gefühl, was ich gerade habe, sitzt bei mir unter dem Sternum, irgendwo in der Gegend am Solar Plexus.

 

Ich esse zum ersten Mal seit langem wieder etwas, weil ich wirklich genau darauf richtigen Hunger habe.

Ich esse es nicht, weil es noch im Tagesplan fehlt, wenig Kalorien hat, ein "Superfood" oder gesund ist. Sondern einfach nur, weil ich Hunger darauf habe.

Erstaunlicherweise habe ich das Gefühl noch nie etwas Köstlicheres gegessen zu haben.

Dabei esse ich nur Spiegelei, Kartoffeln und Kopfsalat.

Ich esse, schmause und genieße dieses Essen ungemein.

Verrückt!! Aber: Was für ein grandioses Geschmackserlebnis!

 

Leider weiß ich nicht, wann ich wirklich satt bin und esse den Teller leer.

Später stellt sich heraus, dass das ein Fehler war.

Ich bin müde vom Essen und der Bauch fühlt sich unangenehm vollgestopft an.

Ich bin viel zu satt – und das obwohl ich meinen Teller gar nicht überladen hatte.

 

Abend

Abends habe ich Hunger auf Himbeeren.

Also mache ich mir eine ganze Schüssel fertig und freue mich darauf die Früchte pur, ohne Zucker, ohne alles, genießen zu können. Diesmal spüre ich das Sättigungsgefühl und höre schon nach 5 Himbeeren auf zu essen. Ich bin so satt, dass ich das Gefühl habe, nie wieder etwas essen zu können.

Und das Allerschönste: An diesem Abend scheint auch meine Seele satt zu sein.

 

 

In den nächsten Tagen klappte es nicht immer das Seelenfuttern zu vermeiden und durch etwas anderes, wie zum Beispiel ein heißes Bad oder ein Gespräch, zu ersetzen.

Gut so. Denn ich habe daraus gelernt:

  • Das Geschmackserlebnis ist beim Seelenfuttern nicht halb so groß, wie beim Essen bei richtigem Hunger.
  • Seelenfuttern macht nie wirklich satt.

 

 

Was ich esse:

Ich habe kaum Lust auf Brot und auf Wurst schon gar nicht.

 

Komischerweise esse ich ÜBERHAUPT GAR KEINE Schokolade!

Noch nicht mal Eis! Null Bock.

Wer hätte das gedacht?

 

Stattdessen esse ich gerade viel Salat, Tomaten, Paprika, Zucchini, mal Ziegenkäse, viel Wassermelone, Himbeeren, Blaubeeren, unsere Pflaumen (gegen die ich NICHT allergisch bin), mal ein Ei, mal Fisch…

und am ersten Tag meines Experiments gab es Wikingerröllchen (kleine Marzipanrollen mit Buttercreme gefüllt) zum Mittagessen. :-)

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