Bikini nicht erlaubt!?

Bikini nicht erlaubt?

In diesem Sommer wird es wohl ein Badeanzug sein müssen – gedacht - und schon war ich auf dem Weg zum schnuckeligen kleinen Bademoden- und Wäscheladen meines Vertrauens.

Obwohl dieser Laden so winzig ist, hängen hier Badeanzüge, Bikinis oder Tankinis in allen Formen und Farben, die Mensch sich nur vorstellen kann auf Bügeln herum und warten auf ihre neuen Besitzer.

Hier war ich bisher immer fündig geworden. Aber bisher trug ich auch immer nur Bikini am Pool.

Aber ich war mir sicher, dass es hier auch den passenden Badeanzug geben würde.

 

Ich hatte mir schon verschiedene Teile aus dem Internet bestellt. Aber nichts passte, nichts gefiel.

Letzter Ausweg: Dieser Laden. Nicht ganz billig, aber gut.

 

Es fiel mir schwer mich mit der Tatsache anzufreunden in diesem Jahr einen Badeanzug tragen zu müssen. Leider hatte ich es ja nicht geschafft genügend Kilos abzunehmen, um Bikini-Maße zu erreichen.

Meine immer noch vorhandene Fülle würde ich wohl unter Lycra verstecken müssen.

 

Leider musste ich in der Umkleidekabine feststellen: da ließ sich nichts verstecken.

Ich hatte das Gefühl, nur noch immer dicker zu werden, je mehr ich anzog.

Da gab es Badeanzüge mit und ohne Rüschen, schwarz mit bunt und bunt mit schwarz. Und alle besaßen weder die Fähigkeit meinen Bauch verschwinden zu lassen noch fühlte ich mich wirklich darin wohl. Am schlimmsten waren die Badekleider, in denen ich mit 100%iger Sicherheit ertrinken würde, weil sie schon trocken so schwer waren, dass mich ihr Gewicht schier zusammenbrechen ließ. Darin würde ich mich bei Außentemperaturen von 35°- 40° Grad sicherlich auch kuschelig warm fühlen.

 

Was auch immer die Einbauten verschiedenster Stoffe, Gewebe, Netze, … im Bereich des Busens sein sollten, habe ich bis heute nicht verstanden. Ich wollte eigentlich nicht mit einem Brustpanzer in der Sonne liegen oder von ihm unter Wasser gezogen werden. Ich wollte möglichst dünnes Gewebe, um möglichst wenig zu schwitzen. Da dieser Wunsch anscheinend ein zu frommer war, entschied ich mich für einen Einteiler in Schwarz mit knalligen Farben an der Seite und Rüschen an den Trägern und Ausschnitt, der meinen Busen möglichst wenig in eine Form presste, die mich an die 50 er und 60 er Jahre erinnerte.

 

Beim Packen meines Koffers seufzte ich wehmütig. Warum hatte ich es nicht geschafft schon jetzt 30 Kilo weniger zu wiegen? In meinem Schrank hingen die schönsten Sommerkleider und fristeten neben Bikinis in Größe 38 bis Größe 44 ein trauriges Dasein im Dunkeln. Nichts passte. Nichts konnte ich davon mitnehmen. Oder vielleicht sollte ich ja doch einen Bikini in Größe 46 mitnehmen? Den könnte ich auf jeden Fall auf meiner großen Terrasse tragen. Da sah mich und mein Zuviel ja niemand.

 

So lag ich also im Einteiler am Pool meines Paradieses und schwitzte in schwarzen Rüschen vor mich hin. Das gut gepolsterte Oberteil nervte, weil ich mich wie Oma Helene fühlte und wärmte derart, dass ich eigentlich zum Abkühlen gar nicht ins Wasser zu gehen brauchte, da ich eh die ganze Zeit klitschnass geschwitzt war. Ich fühlte unwohl mit mir selber, haderte mit meiner Fülle.

 

Bald begann ich mich auch in meinen kurzen Hosen unwohl zu fühlen und hätte mich am liebsten in weite wallende Kaftane gehüllt, um mich zu verstecken.

Bis… ... ... ja bis mein gesundes Selbstbewusstsein wieder Oberhand gewann.

Ich fragte mich, wieso ich mich nur versteckt auf meiner Terrasse im Bikini wohlfühlen durfte und nicht auch am Pool. Warum sollte ich mich nicht trauen auch dort trotz Größe 46 mit wenig Stoff zu liegen und zu schwimmen?

 

Ich testete den Bikini Größe 46 am 50 km entfernten Strand.

Da, wo mich niemand kannte.

Da, wo ich mich wenigstens unerkannt blamieren konnte, wenn ich meinen unbedeckten Bauch der Sonne entgegen reckte.

 

Zunächst lag ich völlig alleine am Kilometer langen Sandstrand der Camargue. Aber selbst als es sich ein wenig füllte, erscholl weder hinter noch vor mir lautes Gelächter.

Niemand außer mir interessierte sich für meinen Bauch, der frei von allen Makeln, schön glatt, aber zu dick in der Sonne lag. Andere Frauen trugen hier selbst in Größe 48 oder 50 wie ganz selbstverständlich Bikinis und sahen darin schön aus.

Ich begann mich wohler zu fühlen und traute mich nun auch am Pool bauchfrei herumzuliegen.

Endlich keinen Brustpanzer mehr tragen zu müssen oder einen schwarzen Stoff über dem Bauch, der in Zusammenarbeit mit der Sonne die Wirkung eines Hochofens zu haben schien, war die Erlösung.

 

Es ging mir mit mir selber wieder gut - ob im Bikini, in kurzen Hosen oder in meinen Sommerkleidern in Größe 46.

 

Mal wieder hatte ich versucht einer Norm zu entsprechen - Dicke bedeckt und versteckt man – und war gescheitert.

Mit fremden Normen habe ich mich selten wohl gefühlt.

 

Erst im Bikini - Größe 46 - fühlte ich mich am Pool wohl und die Entspannung konnte endlich beginnen!

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