Schaufenster-Super-Gau

Schaufenster-Super-Gau

Gestern war ich in der großen Stadt und habe mir einen Friseurbesuch gegönnt, damit ich beim Wellnessen am Wochenende nicht nur innerlich prima aussehe, sondern auch von außen „hübsch und adrett“ daher komme – wie meine Oma immer zusagen pflegte.

 

So schlenderte ich, nicht ahnend, dass mich der bittere Schock der Erkenntnis treffen würde, durch die Straßen. Ich bummelte gemächlich an Schaufenstern entlang und freute mich über Buntes und Helles, das all das Dunkle des Winters aus den Auslagen vertrieben hat.

Eine überaus schmerzhafte Entzündung im Hüftgelenk und dann auch noch eine im Knie machten das Gehen nicht gerade angenehm.

Aber: Ich kam vorwärts. Langsam … aber immerhin ging es vorwärts.

 

Beim Blick in die Schaufenster fiel mir immer wieder eine Frau auf, die mit fast schon gebeugtem Rücken langsam vor sich hin humpelte.

Dann war sie wieder weg.

Und plötzlich wieder da.

Sie ging mühsam und schien nicht gerade glücklich zu sein.

Kein Lächeln auf dem Gesicht.

Alles schien sie anzustrengen.

„Die ist aber auch ganz schön dick! Mannoman!“, dachte ich noch für den Bruchteil einer Sekunde, bevor mir die Erkenntnis mit voller Wucht in den Magen trat:

Das bin ja ich!

Nee, das kann nicht sein!  ...schrie es irgendwo in mir.

 

Mein Kopf hat ein völlig anderes Bild von mir abgespeichert:

Schlank, beweglich, sportlich, voller Elan lächelnd.

 

Aber als ich genauer hinschaute, ließ sich das, was mir das spiegelnde Schaufenster da ungeschönt präsentierte, nicht leugnen:

Ich = eine dicke Frau mittleren Alters. Schlecht gelaunt, mutzig- wie der Kölner sagt.

Eine langweilige, graue Maus.

 

… Überhaupt nicht das, was ich fühle und denke.

So – nee- bin ich nicht.

 

Warum repräsentiere ich es dann nach außen?

Wie konnte ich es nur zu lassen, dass ich mir selbst so fremd werde?

Wo bin da ich?

 

Gut, dass ich mich aufgemacht habe zu mir selbst.

Ich bin zwar noch am Anfang des Weges und es ist keinesfalls einfach.

Wahrscheinlich wird es noch ein Weilchen dauern, aber ich freue mich schon jetzt auf den Tag, an dem ich mich bei einem Blick in ein Schaufenster keine dicke, graue Maus mehr erleben muss, mich lächelnd wiedererkenne und sagen kann:

 

"Hallo Klaudia! Schön, dich zu sehen! Du siehst genauso aus, wie ich mich fühle."

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