Quergestreifte Blumen mit asymmetrischen Zipfeln

Quergestreifte Blumen mit asymetrischen Zipfeln


Endlich ist der Frühling da und lässt auf sonniges Wetter hoffen und darauf, dass es bald wieder grünt und blüht. Ich freu mich, dass ich nicht mehr mit dicken Winterjacken unterwegs sein muss und am letzten Wochenende schon barfuß mit Hündin Choco im Garten herumtoben konnte.

Die Zeit der Schals, dicken Pullis und dunklen Klamotten ist endlich vorbei.

 

Mehr noch als auf den Frühling oder den Sommer freue ich mich aber auf die Zeit, wenn ich mal 15, 20 kg abgenommen haben werde und Kleidung tragen kann, die mir gefällt.

Ich freue mich auf sportliche oder feminine Shirts und Kleider, die keine Zipfel an einer Seite haben und aussehen, als hätte jemand beim Schneidern 2 bis 3 Prosecco zu viel getrunken.

Klamotten, die nicht aus Omas Altkleidersack zu kommen scheinen und in denen ich mich endlich wieder wohlfühlen kann.

Blusen, die nicht an Säcke erinnern.

Ich will keine Walle-Walle-Kleider, am besten noch mit Fledermausärmeln, mit denen ich meine Fülle verstecken darf, damit sich andere nicht durch zu viel von mir belästigt fühlen.

Viele Falten am oder über dem Bauch machen mich nervös und führen nur dazu, dass ich überall dran rum ziehe und zippele. Am liebsten würde ich mich in so was vor mir selber verstecken. Deshalb ziehe ich es lieber gar nicht erst an.

 

Klamotten einzukaufen macht – noch - überhaupt gar keinen Spaß.

Bedeutet oft Frust in Endlosschleife.

 

Meistens stehe ich in neuen Kleidern mit gerunzelter Stirn vor Kaufhaus-Spiegeln.

Nette Verkäuferinnen mit nettem Lächeln auf dem Gesicht und netten Sprüchen - "Ach, das ist ja genau IHR Kleid" - auf den Lippen, scheinen nicht das zu sehen, was ich sehe.

Drehe mich hier hin, dorthin… Nein!

Das macht es auch nicht besser! Weitersuchen!

Probiere dann nach gezieltem Suchen und Nichtfinden wahllos irgendwelche Shirts, Blusen, Pullis, Kleider… an. Sehe, wie sich die Falten auf meiner Stirn vertiefen, Mundwinkel immer weiter hängen und die Stimmung sinkt. Trotz netter Verkäuferin.

Manchmal ... meistens ... oft ... ist mir dann zum Heulen zu mute.

Manchmal .... meistens ... oft ... werde ich aber auch wütend auf mich, weil ich es zu gelassen habe, so dick zu werden, dass mir nichts … nichts … nichts … aber auch gar nichts mehr passt.

Warum habe ich dann das dringende Bedürfnis mir zum Trost ein Eis kaufen zu müssen? Oder würde am liebsten ins nächste Café rennen, um mir ein Stück Kuchen zu gönnen?

 

Die Suche nach Kleidern, die mir gefallen endet oft mit einem Verzweiflungskauf, der dann nie getragen irgendwo im Kleiderschrank versteckt vor sich hingammelt und darauf wartet, dass der große graue Kleidersack seinem Elend ein Ende macht.

Meistens aber komme ich völlig frustriert ohne irgendwas nach Hause zurück, weil ich keine Lust auf große orangefarbene Punkte, noch größere Blumen oder dicke Querstreifen habe.

 

Dabei hängt mein Schrank voll mit Kleidern in Größe 42, die ich vor zwei Jahren noch getragen habe. Schöne Kleider, die mir allesamt gut gefallen und die nur darauf warten aus dem Dunkel ans Licht geholt zu werden. Damals hatte ich es ja schon einmal geschafft- das Abnehmen.

Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg.

Ob das in diesem Sommer schon was wird, wage ich zu bezweifeln.

 

Übrigens: Im Sommer trage ich gerne kurze Hose und Tops – auch jetzt schon.

Warum sollte ich bei 30°C im Schatten in langen Hosen vor mich hin schwitzen?

Schlanke tun das doch auch nicht.

 

Und man soll es kaum glauben, aber es ist wahr:

In Frankreich trage ich im Sommer sogar einen Bikini und fühle mich wohl damit.

Unmöglich? Nein!

Ich fände es eher unmöglich am Pool oder am Strand in einem Badeanzug zu schwitzen, nur damit andere meine Kurven nicht sehen.

Über dicke Männer in ganz normalen Badehosen regt sich auch niemand auf.

Warum sollte ich mich dann in ein Ganz-Körper-Kondom hüllen?

Ich will und brauche mich nicht verstecken, will nichts kaschieren.

Will die sein, die ich bin.

Meine Pfunde sind da. Leider.

So ist das nun mal.

 

Klaudia

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