Leberwurstbrot mit Senf

Leberwustbrot mit Senf

Morgens ist meine Abnehm-Welt in Ordnung.

 

Ich stehe vor den Kindern auf, um in Ruhe meinen ersten Kaffee trinken zu können.

Allein sein Duft lässt mich genüsslich die Augen schließen.

Und dann der erste Schluck!

Herrlich heiß ein Genuss. Hmmmm …

 

 


Ich komme im neuen Tag an, der noch so unverbraucht und frisch ist.

Heute wird´s leicht gehen. Heute werde ich im Plan bleiben.

Ohne Probleme!

Ich bin voller Elan und Mut.

Wenn ich das nicht schaffe, wer dann?

Tschakka!

Ich schau auf meinen Homepages vorbei, wünsche Twitter oder Facebook einen guten Morgen und genieße die Ruhe.

 

Auch mittags läuft es noch super.

Ich erledige all das, was es zu tun gibt: Aufräumen, putzen, kochen, waschen, Gassi-Gehen mit Hund, bügeln, schreiben, einkaufen, nochmal schreiben... Ich bin immer noch im Plan.

Bin motiviert.

Heute werde ich sporten bis zum Umfallen.

 

Zum Test mache ich schon Mal ein paar Dehnungsübungen.

Alles klar. Läuft!

Heute trotzt mein Durchhaltvermögen allen Torpedierungsversuchen des Schweinhundes.

Heute jongliere ich locker mit Grundumsatz, BMI, Kalorientabellen oder Hüftumfang.

 

Ich bin auf dem Weg. Nichts hält mich auf! Yeah!


Ein bunter Salat mit Hähnchenbrust-Streifen und Parmesanstückchen zum Mittagessen.

Sooo lecker!

Ich verstehe gar nicht, wieso ich das früher nicht öfter gegessen habe.

Schmeckt doch viel besser als Bratwurst mit Kartoffelpüree und Gurkensalat.

 

 

Nach der Mittagspause wieder Kaffee, um nochmal durchstarten zu können.

Dann 18.00 Uhr.

 

Immer noch im Stress.

Ich bin aus der Puste.

Meine To-Do-Liste scheint immer noch endlos.

Spätestens jetzt ist die blöde Idee mit dem Sport vergessen.

Wann soll ich das denn heute noch machen?

Ich bin doch sowieso erst um 20.00 Uhr fertig!

Und dann soll ich mich auch noch mehr stressen und Sport machen?!

Dann hab ich doch wirklich genug getan. 


 

Schon wieder Stress, weil ich weiß, dass ich sollte, aber nicht will und nicht werde.

 

Zu spät.

Zu kaputt.

Zu hungrig.

Zu müde … und überhaupt: Die Couch ruft.

Und dann auch noch das Essen.

Gemüse oder Salat mit Fisch. Super gesund.

Viele Vitamine, Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren…

Und so lecker.

Klar.

 

Aber eigentlich will ich jetzt am liebsten was anderes.

Was Fettes. Pommes Frittes mit Grillhähnchen.

Mayo UND Ketchup dazu.

Oder was Nudeliges. Oder wenigstens ein Leberwurstbrot. Mit Senf.

Hinterher Eis schlotzen. Schokolade lutschen.

Ungesundes schmecken und es trotzdem mögen.

Vitamine und Konsorten können mir doch gestohlen bleiben!

 

Stattdessen gibt es Gesundes.

Schön grün und bunt.

Sieht gut aus. So frisch. Frischer, als ich mich fühle und auch viel besser als Pommes mit Mayo.

Schmeckt auch besser. Immer noch.

Eigentlich.

 

Trotzdem sitze ich vor meinem Teller und hadere mit meinem Schicksal.

Am liebsten würde ich schwach werden.

Abends würde ich am liebsten immer schwach werden, weil der ganze Tag schon anstrengend war und mir mehr Disziplin abverlangte, als nötig.

Keine Lust mehr auf das Zählen von Kalorien und auf Starksein.

Jetzt möchten alte Gewohnheiten ihren Platz einnehmen, mich einlullen und mich in trügerischer Leichtigkeit wiegen.

Ich möchte mich für den Tag, den ich mit Bravour gemeistert habe,  belohnen.

So wie früher, wenn ich, weil ich brav war ein Eis bekam oder eine geräucherte Mettwurst.

 

Ich esse meinen Salat und denke an Leberwurstbrot mit Senf.

 

Und mein Schweinhund mault und bellt, weil er nicht nur mit gedachtem Ungesundem gefüttert werden will, sondern mit echter, fetter Wurst.

Ich esse meinen Salat oder mein Gemüse weiter.

Immer öfter halte ich durch.

Immer öfter schmecke ich Gesundes mit Freude.

 

Manchmal gewinnt der Schweinehund und bekommt sein Leberwurstbrot mit oder ohne Senf.

Manchmal gewinnt er.

Aber immer öfter ich.

 

 

 

Klaudia

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