Versuch am Menschen

Versuch am Menschen

Der gestrige Abend stellte wieder einmal unter Beweis, was eigentlich gar nicht bewiesen werden musste, weil es sowieso schon jeder weiß: Versuche am Menschen sind oft nicht gerade gesundheitsfördernd und ethisch auch oft fragwürdig.

Ich, die Versuchsperson, stellte mich allerdings mutig der Herausforderung dieser Unternehmung und begab mich mit meinem Mann nach Hannover ins Al-Dar, ein hervorragendes syrisches Restaurant.

Man muss weit im Voraus reservieren, da das ungewöhnliche Haus sehr gefragt ist. So buchten wir unseren Tisch bevor feststand, dass ich mich Hals über Kopf in mein Abnehmprojekt stürzen würde.

Die Reservierung wollten wir jetzt, da wir endlich einen Tisch ergattert hatten unter keinen Umständen stornieren. Ich drückte dem Abend kurzer Hand den Stempel „Selbstversuch“ auf und schon war die Ausrede für dieses Essen perfekt.

 

Was passiert, wenn ich wie früher esse ?

Hypothese: Ich brauche wieder ewig bis ich im Plan bin. Rückschlag. Abbruchgefahr.

Wie blöd kann man nur sein? Tu´s lieber nicht- schimpft die Skeptikerin in mir.

 

Schon beim Betreten des Al-Dars war ich froh der Skeptikerin nicht gefolgt zu sein und stattdessen das Wagnis des Essens auf mich genommen zu haben.

Das Ambiente des Hauses entführte uns in Träume aus 1001 Nacht.

So etwas darf man sich unter keinen Umständen von einer Ernährungsumstellung vermiesen lassen!

Die Kellner sehr freundlich, das Ambiente wunderschön – wir genossen die Atmosphäre und tauchten in eine andere exotische Welt ein.

Allein die Speisekarte ist schon so anders gestaltet, dass man versucht ist zunächst mal stundenlang darin zu blättern, Bilder zu schauen, zu lesen und sich von der Geschichte des Al-Dar verzaubern zu lassen.

 

Als Vorspeise bestellten wir Mazza II, ein Vorspeisen- Mix, für zwei Personen.

Tabuleh, Olivensalat, Falafel, Hommus,

Muhammara, Lebneh, Auberginenkaviar,

Sambusik-Sujuuk, Sambusik-Lamm,

hausgemachte Weinblätter

dazu vier weitere Überraschungsmazza,

gereicht mit arabischem Brot

 

Das war gaaaanz schön viel! Die Menge erschlägt einen fast.

Aber auch gaaanz schön lecker!

 

14 verschiedene, warme und kalte orientalische Geschmackserlebnisse der extra Klasse.

 

 

Ich begann wie früher zu essen.

Führte Konversation mit meinem Gegenüber, ließ den Blick durch den Raum schweifen und blieb ab und an, an den anderen Restaurantbesuchern hängen und fütterte mich selbst mit den wunderbaren Dingen, die da vor mir standen, ohne wirklich darauf zu achten.

Plötzlich vermisste ich aber den intensiven Geschmack der Speisen, die in meinen Mund wanderten.

In den letzten Tagen hatte ich doch immer bewusst wahrgenommen, was ich aß.

Also fing ich an, mich auf die unterschiedlich Aromen und Gerüche zu konzentrieren.

Ich schmeckte hier einen Hauch Zimt, dort etwas Granatapfel. Dann etwas, was ich nicht definieren konnte, gefolgt von etwas Fruchtigem. So viel unterschiedliche Eindrücke!

Ich war innerhalb kürzester Zeit satt.

Aber ich hatte ja noch das Hauptgericht vor mir:

 

 

FATAYEL

Zarter geht nicht… ausgewählte Lammfiletstreifen in Marinade

nach arabischer Art gereift, auf dem Lavastein gegrillt, mit Olivenölgemüse,

 

gereicht und einer feinwürzigen Joghurt-Minze-Sauce.


Die Beschreibung des Gerichts verspricht nicht zu viel.

Die Filetspitzen waren köstlich… Früher hätte ich den Teller leer gegessen- jetzt schaffte ich mit Mühe und Not die Hälfte des Fleischs.

Vom Rest kostete ich nur und ließ es liegen. Satt. Aber sowas von Papp!

 

Mein Mann war von seinem Hauptgericht genauso begeistert wie ich.

Er erbarmte sich meines übriggeblieben Fleisches.

Wie schafft er das nur? Und wo stopft er das hin?

Er gehört unverschämterweise zu den Menschen, die essen können, was sie wollen ohne dick zu werden. Würde ich so viel essen wie er, würde ich längst als rollende, menschliche Kugel Furore machen.

 

Da ich mich im Selbstversuch befand, musste noch ein Roseneis zum Nachtisch bestellt werden.

Da kam ich gar nicht drum rum.

Schließlich hätte ich das früher auch getan und es ohne Probleme geschafft.

 

Ich kann Euch sagen,dieser Teil des Versuches war besonders angenehm.

Das Roseneis war HIMMLISCH! Einfach nur HIMMLICH!

Duft und Geschmack - ein Hauch von Rosenwasser...

 

 

Da ich inzwischen das Gefühl hatte, den Weg zum Bahnhof nur noch rollend zurücklegen zu können, beschlossen wir noch einen Mokka zu trinken, dessen besonderes Aroma uns überraschte und begeisterte.


Versuchsergebnis:

 

1. Das Al-Dar ist unbedingt empfehlenswert.

(Nein, dies hier ist keine Werbeveranstaltung. Dieser Beitrag ist nicht vom Besitzer gesponsert und wir mussten das Essen auch komplett bezahlen)

 

2. Heute, am Sonntag, kann ich sagen, dass ich mit meiner Hypothese völlig daneben lag.

Ich habe mich die ganze Nacht im Bett herumgewälzt, weil ich zu viel gegessen hatte.

Ich war der Wolf, dessen Bauch - rumpel-diepumpel- mit Steinen gefüllt war. Die Raupe Nimmersatt- mit zu vielen guten Dingen vollgestopft.

Auch heute Morgen fühle ich mich nicht gut.

Ich konnte nicht weiterschlafen, weil sich mein Magen immer noch anfühlt, wie von der Mafia mit Beton ausgegossen. Dabei habe ich doch nur das getan, was ich früher immer getan habe: Vor- Haupt- und Nachspeise gegessen.

 

Wie habe ich das noch vor drei Wochen geschafft????

 

Fazit: Ich falle nicht in alte Gewohnheiten zurück.

Sie tun mir nicht gut. ÜBERHAUPT NICHT!

Das habe ich gestern nur zu deutlich gespürt und spüre ich heute immer noch.

Das Teller-leer-essen ist nicht mehr meins.

Ich muss nicht mehr essen, nur weil es etwas gibt.

 

Ein gutes Gefühl.

 

So werde ich heute Morgen auf das Frühstück verzichten.

Es muss nicht sein, nur weil es an der Zeit wäre zu essen.

Ich bin noch satt.

Und wenn ich das heute Mittag immer noch sein sollte, werde ich auch dann noch nichts essen, werde auf mein Bauchgefühl achten.

 

Wenn ich wieder einmal essen gehe, werde ich mich – auch, wenn das Essen so gut wie im Al-Dar schmecken sollte – an meine neuen Grenzen halten.

 

Vielleicht esse ich auch mal nur eine Vorspeise.

Damit der Genuss auch am nächsten Tag noch bleibt und nicht durch das Gefühl mit Blei ausgegossen zu sein, getrübt wird. Qualität vor Quantität.

 

Ich wünsche Euch einen sonnigen Sonntag!

 

Klaudia

 

 

PS: Mein Mann frühstückt übrigens gerade ganz normal.

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Kommentare: 7
  • #1

    Bea (Sonntag, 28 Februar 2016 13:53)

    Gratuliere zu Deinem Erfolg (^_-)
    Es ist mal wieder herlich deine Abnehm Geschichten zu verfolgen.
    Auch wenn es zwischdurch sicherlich mal von Frust erfüllt ist, ist doch der Weg das Ziel. Und das ist ja gar nicht mehr so weit weg, weiter so.!
    Wenn du dein Ziel erreicht hast, hast du ja auch dein nächstes Buch fertig(^_-)
    Es motiviert und all das wie du es beschreibst kenne ich auch von so vielen "Diäten", wenn wir es mal so nennen wollen. Wichtig ist nur, das wir uns hin und wieder den Sünden des Essens hingeben, um zu bemerken, das wir uns anders auch gut fühlen.
    Liebe Klaudia, ich wünsche dir nach wie vor viel Erfolg und finde es mega klasse was du da machst, und danke das wir daran teil haben dürfen.

    Dir auch noch einen wunderschönen sonnigen Sonntag, freue mich schon auf ein "Läufchen" mit dir.
    Ganz liebe Grüße, Die Bea

  • #2

    Marc Winking (Sonntag, 28 Februar 2016)

    Hallo, hab deinen Blog heute entdeckt und gleich in den AbspeckBlogger BlogRadar aufgenommen - hoffe, Du findest darüber ein paar neue Leser! :)

    Viele Grüße,
    Marc

    PS: Wenn Du das Projekt unterstützten willst, kannst Du gerne das AbspeckBlogger Logo einbauen und verlinken. Dafür gibt's dann als Dankeschön noch einen Link auf der Startseite http://kochkatastrophen.blogspot.de/#verlinktvon

  • #3

    Marc Winking (Sonntag, 28 Februar 2016 15:13)

    Sorry, glatt den wichtigsten Link vergessen:
    http://kochkatastrophen.blogspot.de/p/abspeckblogger.html

  • #4

    Klaudia (Sonntag, 28 Februar 2016 17:14)

    Hallo Bea,

    kann Dir nur zustimmen!
    Das Buch wird hoffentlich in diesem Jahr fertig.

    Heute war das Gehen wieder eine Qual. Hab gerade so eine Stunde geschafft. Das Knie nervt gewaltig!

    Dir auch einen schönen Sonntag noch.

    Klaudia

  • #5

    Klaudia (Sonntag, 28 Februar 2016 17:16)

    Hallo Marc,
    danke für ´s Finden und Aufnehmen! Logo ist verlinkt

    LG

    Klaudia

  • #6

    SOMMER (Sonntag, 28 Februar 2016 20:53)

    Liebe Klaudia,
    ich glaub, da wär ich auch schwach geworden. Sieht alles schon sehr lecker aus! ...und erst Deine Beschreibungen...
    Finde es völlig ok wenn man sich ab und zu was Besonderes gönnt. Mit dem "Sich-was-verbieten" klappt das ohnehin nicht...
    Lebe nun seit über sechs Monaten vegan (freiwillig und aus gesundheitlichen Gründen) habe mir aber immer die Hintertür offengehalten, wenn es mich einmal überkommt auch mal eine Ausnahme vom fleischlosen Essen zu machen. Das geht bei mir, da ich nicht zwischen den verschiedenen Leben werte und differenziere, die ich als Nahrung aufnehme. Fakt ist: ich erlaube es mir, nutze die Ausnahmemöglichkeit aber nicht...
    ... aber wehe, es versucht mal einer, mir das Fleischessen zu VERBIETEN...
    und da sind sie wieder, die verbotenen Früchte...
    Vielen Dank für das wieder sehr unterhaltsame Teilhabenlassen!
    Liebe Grüße
    SOMMER

  • #7

    Klaudia (Montag, 29 Februar 2016 06:18)

    Moin Sommer,
    freue mich immer von Dir hier zu lesen!

    LG

    Klaudia