Sport ist Mord ... na, hoffentlich!

Sport ist Mord

Ich habe keine Lust. Aber es muss sein.

Ich könnte es ja auch auf morgen verschieben, dann könnte ich heute noch das Kapitel zu Ende schreiben und die Lektorin hätte schon morgen etwas zu lesen.

 

Mein Schweinehund sitzt auf meinem Schoß, will sich nicht vertreiben lassen.

Ich schubse ihn pro forma runter. Jetzt fläzt er auf dem Boden rum. Bloß nicht bewegen!

 

Ich hab immer noch keine Lust.

Worauf? Auf Sport.

Ich schäme mich, es sagen zu müssen.

Aber ja, es ist so!

Ich habe keine Lust auf Sport.

 

Ich möchte schlank werden, einfach so.

Das Dicksein wie ein Kleid ablegen und es in den Altkleidercontainer verstauen.

Es nie mehr wieder sehen. Es steht mir eh nicht und zwickt überall.

Wer, verdammt nochmal, hat mir das Ding eigentlich angedreht?

 

Sport.

Warum weiß man beim Sport immer erst hinterher, wie toll sich das anfühlt?

Und warum vergisst man es dann sofort wieder? Leidet an Spontan-Demenz?

 

Früher, d.h. bis vor ziemlich genau acht Jahren wäre mein Leben ohne Sport undenkbar gewesen.

Ich habe immer und überall gesportelt. Gymnastik, vor allem Tanz.

Und ich hab mich super damit gefühlt. Ich war beweglich und fit.

Warum leide ich da unter einer völligen Amnesie?

Ich habe vergessen, wie gut es sich anfühlt, verschwitzt und völlig außer Atem, auf der Bank eines Tanzstudios rumzusitzen oder wie es ist, ganz gemütlich (jaaa, Ihr lest richtig) im Spagat vor einem Spiegel rumzuliegen und zu entspannen.

Heute kann ich mir noch nicht mal meine rechte Socke anziehen, ohne aus der Puste zu kommen oder mich zu verrenken.

Ich weiß nicht mehr, wie wach mich Sport machte … und glücklich.

Wann habe ich das alles vergessen? Warum habe ich das alles vergessen?

Vielleicht, um nicht ganz so wach sein zu müssen.

Vielleicht, weil ich unbeweglich sein wollte.

Vielleicht, weil nur meine geistige und körperliche Unbeweglichkeit so Manches erträglich machte.

 

Aber jetzt bin ich aufgewacht und will Bewegung.

Was habe ich da gerade geschrieben?

 

Ich will Bewegung. Im Kopf und in den Beinen.

 

Also werde ich meinen Schweinehund an die Leine legen und stattdessen mit meiner quietschfidelen Hündin Choco jeden Tag eine Stunde schnell gehen. Die freut sich aufs Draußen und auf frische Luft.

Mehr ist leider noch nicht drin. Aber immer hin ist das drin.

 

Auf kurze, nicht auf lange Sicht, wird das nicht reichen.

Ich will ja wieder ohne große Verrenkungen Socken anziehen können und ohne die Mitnahme eines Sauerstoffgerätes die Treppe bis in mein Zimmer hochlaufen können.

Also ist Muskelaufbau und Vieles mehr angesagt.

Von nix kommt nicht nix.

Von nix kommen nur ein noch dickerer Bauch und noch mehr Unbeweglichkeit.

 

Sport ist Mord… höre ich meinen Schweinehund vor sich hin summen.

Prima! Das kommt mir sehr gelegen.

Soll er mal den Killer spielen, der Sport.

Soll er mal meine Fettzellen meucheln, morden, umbringen, abschlachten.

Ich bin dabei!

 

Klaudia

Kommentar schreiben

Kommentare: 0